Macht der Medien: vierte Gewalt

Macht der Medien: die vierte Gewalt!

(Foto: Shutterstock / GaudiLab)

Mittlerweile dürfte auch dem Letzten auf unserem Planeten klar sein: Mit Journalisten und entsprechender medialer Infrastruktur ist nicht zu spaßen! Wenn Witterung zu einer außergewöhnlichen Story aufgenommen ist, die Ergebnisse der Recherchen halten, was sie versprechen, fängt die mediale Lunte an zu brennen…Und keine Macht der Welt kann die folgende Explosion aufhalten! Information führt zu Meinungsbildung, befeuert Diskussion. Blitzschnell. In Echtzeit: Mit tiefgreifenden Konsequenzen… Dem Web sei Dank!

Um staatliche Macht zu begrenzen, zeichnet sich jeder Rechtsstaat durch Gewaltenteilung aus: Die legislative (gesetzgebende), die exekutive (vollziehende) und judikative (rechtsprechende) Gewalt sollen sich gegenseitig kontrollieren und die Macht des Staates begrenzen. Viele Experten sind davon überzeugt: Die vierte Gewalt sind inzwischen die Medien. Und besonders die CSU kann davon ein Lied singen: Während weniger Wochen hat die bayerische Volkspartei durch Medialität einen neuen Generalsekretär verloren und seinen taufrischen Nachfolger sofort in die Bredouille gebracht.

Medienanfragen aussitzen? Unprofessionell und für die Reputation tödlich

Was war geschehen? Zunächst hatte CSU-General Stephan Mayer in seiner Vita verschwiegen, Kinder zu haben. Der Bundestagsabgeordnete aus Altötting und ehemalige Parlamentarische Staatssekretär unter Minister Horst Seehofer hat aber einen unehelichen Sohn, um den er sich nicht kümmerte, für den er von seinem Vater, dem Großvater des Jungen, Alimente bezahlen ließ.

Der CSU gehen die Generalsekretäre verloren. (Foto: Shutterstock / nitpicker)

Ein Redakteur der Zeitschrift Bunte bekam aus dem sozialen Umfeld des frisch gebackenen CSU-Generals den entsprechenden Tipp. Auf Fragen des Redakteurs reagierte Mayer erst mal nicht. Motto: „Wird schon gut gehen, erst mal aussitzen!“ Die Illustrierte veröffentlichte! Kurz darauf kam es zum legendären Telefonat zwischen Mayer und dem Journalisten, der im Auto unterwegs war, mit einer Journalistenkollegin als Zeugin des Gesprächs. Mayer brüllte, drohte dem Redakteur, ihn „zu vernichten, falls er die Story bringen sollte“. Fazit: Einige Stunden später war die Geschichte nationales Gesprächsthema und der CSU-General seinen Job los.

Für Politiker ist die Vergangenheit tagtäglich präsent

Bereits einige Tage später präsentierte CSU-Parteichef und Ministerpräsident von Bayern, Markus Söder, mit Martin Huber den Nachfolger. „Martin, gibt es bei Dir irgendwelche Baustellen, von denen ich nichts weiß?“ war sicher eine der ersten Fragen von Söder beim Bewerbungsgespräch. Und was hat wohl Huber geantwortet? „Es gibt keine!“ Zwei Tage nach seiner Ernennung bringt die Bild-Zeitung eine kurze Meldung, wonach der neue CSU-General bei der Erstellung seiner Doktorarbeit getrickst haben soll. Diese Meldung viralisiert, wird als neuester „CSU-Gau“ zum Talk of the Day. Der Journalist und Plagiatsforscher Jochen Zenthöfer hatte sich seine Arbeit einige Wochen vorher genauer angeschaut. Dabei fielen ihm nicht nur handwerkliche Fehler auf – vielmehr ist Systematik beim Täuschen zu erkennen. Man kann sich vorstellen, wie die Geschichte endet: Die Arbeit liegt der Ludwig-Maximilians-Universität München zur erneuten Prüfung vor. Es wird einige Monate dauern, bis das Ergebnis der Prüfungskommission feststeht. Genug Zeit für die CSU, den Nach-Nachfolger im startenden Landtagswahlkampf zu finden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte Huber über das Ergebnis der Kommission stolpern, wie das bei Verteidigungsminister zu Guttenberg oder Bildungsministerin Schavan bereits der Fall war.

Die Geschichte vom libyschen Gold unter dem Motto: „Gier frisst Hirn!“ (Foto: Shutterstock / VladKK)

Schadensbegrenzung von vermeintlichem Betrug durch konsequente Publikation

In eigener Sache: Vor gut drei Wochen bat mich ein guter Freund um Hilfe. Eine nahe Verwandte sei da in eine komische Geschichte verstrickt worden. Und so wie es aussieht, sei sie professionellen Betrügern aufgesessen, die mit einer abenteuerlichen Geschichte Investoren abzocken. Ich fuhr ins schöne Frankenland, zum Familienrat, und hörte mir diese unglaubliche Geschichte an. Ein gewisser Ralf Simon soll beauftragt worden sein, einen Goldschatz und mehrere Paletten von Dollarnoten aus Depots in Afrika nach Europa zu bringen. Angeblich sollen Gold und Geld von einer libyschen Familie stammen, die den milliardenschweren Schatz, der im Keller ihrer Villa gelagert war, während der Revolution noch rechtzeitig ins Ausland retten konnte. Um die Bergung des Schatzes finanzieren zu können, so Simon, braucht es Geld von Investoren, die dann weit über gewöhnliche Zinsen hinaus belohnt würden. Er würde das für die Anleger als sicher titulierte Geschäft teils mit dem fünffachen des Investments honorieren. Angeblich wären mit dieser dreisten Betrugsmasche bis jetzt mehrere Millionen Euro eingenommen worden.

Zusammenspiel: konventionelle und forensische Recherchen im Netzwerk

Eine erste, oberflächliche Google-Recherche ergab: Ralf Simon hat als mehrfacher, notorischer Betrüger bereits über zehn Jahre im Gefängnis abgesessen. Diverse Artikel von namhaften Medien wie beispielsweise der Welt oder führenden Tageszeitungen aus Neuseeland informieren über den Mann, der mit verrückten Geschichten kurz nach der Jahrtausendwende zig Millionen Euro und Dollars von gutgläubigen Anlegern ergaunerte.

Wir waren uns einig: Unabhängig von möglichen zivil- und strafrechtlichen Verfahren, mit denen sich der mehrfach verurteilte Anlagebetrüger wohl erneut auseinandersetzen muss – sollte diese Geschichte erfunden sein, gilt es das Thema schleunigst zu publizieren, um dieses vermeintliche Anleger-Schneeballsystem zu stoppen. Mit befreundeten Journalisten und Redaktionen haben wir das Thema sofort in Angriff genommen, im Detail recherchiert, Helfershelfer von Simon gefunden, real scheinende Depot-Locations in Accra, Abidjan und Nairobi aufgedeckt, relevante Charter-Fluggesellschaften von angeblichen Goldtransporten analysiert und entsprechende Gespräche geführt, weitere Komplizen und Protagonisten des Deals in Afrika, Istanbul und Dubai geoutet, Goldscheideanstalten in der Türkei gecheckt… Dabei halfen erheblich die forensischen Recherchen einer Schweizer Unternehmensberatung, die auf die Prävention und Aufklärung von Wirtschaftskriminalität spezialisiert ist. Unter der Nutzung einer „fachmännischen“ internationalen Infrastruktur.

Recherche, Story, Veröffentlichung, Konsequenz

Innerhalb kürzester Zeit und nach einem Dutzend Veröffentlichungen unserer investigativen Recherchen im Zeitlauf von gut zwei Wochen

  • … konnte ein Helfershelfer von Simon enttarnt werden, der potenzielle Investoren mit dem Image eines renommierten Goldhandels lockte, für den er als externer Vertriebsmitarbeiter aktiv war. Die Veröffentlichung sorgte in mehrerlei Hinsicht für Furore: Zum einen versuchte der Goldhandel, dessen Schwesterunternehmen im Gotthardmassiv, dem ehemaligen Depot der Schweizer Zentralbank, seine Gold-/Silberschätze aufbewahrt, die mediale Berichterstattung juristisch zu unterbinden. Das Vorpreschen einer auf Medienrecht spezialisierten Hamburger Top-Kanzlei war allerdings erfolglos. In der Berichterstattung wurde kein Komma geändert. Zum anderen zog das Unternehmen sofort Konsequenzen: Diesem Vertriebspartner, einem ehemaligen Top-Manager des Unternehmens, wurde fristlos gekündigt – mit gleichzeitig zu unterschreibender Unterlassungserklärung. Auf den diversen Websites von Edelmetallhändler und Depot greifen die Unternehmen unsere Story auf, distanzieren sich aber energisch von den Machenschaften des Ex-Mitarbeiters.
  • … wurde ein als Treuhänder auftretender Anwalt aus Leipzig geoutet, ein weiterer Komplize von Simon. Unabhängig von einer nun anstehenden juristischen Problematik wegen unterlassener Treuhand-Tätigkeit, dürfte dieser Anwalt, der sich mit falscher Adresse und gefakten Kanzleifotos auf der eigenen Website präsentiert, Ärger mit der Anwaltskammer Sachsen bekommen.
  • … haben das Finanzamt und die Steuerfahndung – untertrieben ausgedrückt – zielgerichtet Witterung zu Simon und seinen Komplizen aufgenommen.
  • … haben sich durch die Berichterstattung diverse Geschädigte bei den Redaktionen gemeldet um gemeinsam die nächsten medialen und juristischen Schritte – unter Führung einer renommierten Kanzlei – gegen Simon und seine dubiosen Aktivitäten vorzubereiten.
  • … ist die libysche Staatsregierung nun aktiv eingebunden. Mit dem Ziel herauszufinden, ob es sich tatsächlich um gestohlenes libysches Gold und Geld handelt, um dann entsprechend zu reagieren.

Ausgewählte Beispiele der Berichterstattung:

Im Gegensatz zu früher: Story, Schnelligkeit und Reichweite bedeuten Macht und Geld!

Im analogen Zeitalter musste jeder Reporter in täglichen Redaktionskonferenzen mit dem Chefredakteur oder Ressortleiter um jede Veröffentlichung erbittert kämpfen. Interessiert die Geschichte unsere Leser und Leserinnen? Ist meine Story gut genug für den überregionalen Teil in der Zeitung oder kriege ich nur 30 Zeilen im Lokalteil. Verkauft meine Story – mit fetter Überschrift auf der Titelseite – mehr Auflage? Ist diese Story vielleicht sogar als Serie geeignet? Vom Abschluss der Recherchen über das Schreiben bis hin zum Lektorat, der finalen Freigabe durch den Chef, der Lithografie und Druckvorbereitung, dem Druck, der Auslieferung zum Kiosk oder der Zustellung der Zeitung durch die Post bzw. den Zeitungsboten konnten Tage vergehen. Um die Printprodukte zu erstellen, brauchte es viel Zeit, jede Menge Arbeitsprozesse… Und war die Wirkung dieser Story noch so groß – Papier war vergänglich. Ohne den Artikel zu kopieren oder auszuschneiden, war die Story schnell wieder vergessen. Frühestens am nächsten Morgen mit der neuen Ausgabe der Tageszeitung.

Heute funktioniert alles in Echtzeit! Jeder kann über seinen Facebook- oder Instagram-Account die verrückteste Story veröffentlichen, die dann sofort durch die Freunde in der Community diskutiert oder geteilt wird, weiter viralisiert… Innerhalb weniger Sekunden können so Hunderttausende, ja sogar Millionen Menschen erreicht werden. Superstar Christiano Ronaldo motiviert mit einem Facebook-Post locker über eine Million Likes und in der Regel über 50.000 Kommentare. Äußert er sich beispielsweise etwas kritisch zu seinem Job bei Manchester United, wie erfolgt, übernehmen spätestens einige Minuten später tausende Sportredaktionen weltweit seinen Post als wörtliche Rede im Rahmen einer meist konstruierten Geschichte. Warum? Weil Aufmerksamkeit in Clicks resultiert und Clicks bringen Geld… Je mehr Clicks durch die User, desto besser wird die Werbung in den entsprechenden Portalen wahrgenommen. Und wenn Werbung die Zielgruppe punktgenau erreicht, wird natürlich auch gut bezahlt.

Papier ist geduldig und die aktuelle Tageszeitung ist morgen bereits Geschichte. Das Internet ist ebenfalls geduldig – vergisst aber nicht! Jeder Beitrag, online veröffentlicht, bleibt im Netz bis in alle Ewigkeit…

Von Tilmann Meuser.

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